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Systemische Psychologie. Eine Einführung in die komplexen Grundlagen menschlichen Verhaltens.

Klar! Unsere Wahrnehmung ist ein Konstrukt. Es gibt keine Objektivität, genauso wie es keine lineare Kausalität gibt. Ein System ist nicht instruktiv beeinflussbar, weil es sich selbst organisiert. Und wie, das hängt irgendwie vom Kontext ab mit dem es interagiert, ob es will oder nicht. Als Therapeuten und Berater sind wir neutral, neugierig und voller Wertschätzung für die manchmal absurden Lösungsversuche unserer Klientinnen und Klienten. Klar! – Aber, warum eigentlich?

Wir Systemiker operieren mit Begriffen, wie Muster, Zirkularität, Selbstreferentialität, Struktur und Ordnungsübergänge. Doch was verbirgt sich hinter diesen Begriffen, und wo kommen sie her? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, muss tiefer eintauchen in die Theorie hinter der systemischen Praxis und findet bei Strunk und Schiepek eine exzellente und umfassende Einführung.

Die Autoren nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte wissenschaftlicher Theoriebildung vom Beginn der Neuzeit bis in die Gegenwart und zeigen anhand bedeutsamer Problemstellungen in der Astronomie, Mathematik, Chemie und Physik, wie ein geradezu ketzerisches Infragestellen althergebrachter Schulmeinungen zu bahnbrechenden Erkenntnissen führte und den Paradigmenwechsel von der klassischen Newtonschen Mechanik, hin zu den Theorien nichtlinearer dynamischer Systeme einleitete, welcher einer Kopernikanischen Wende gleicht.

 

Die gesamte begriffliche und theoretische Grundlage des systemischen Denkens wird anhand historischer Beispiele verdeutlicht und letztlich zur Erklärung psychischer Phänomene wie Wahrnehmung, Kognition, motorische Prozesse, Lernen, Soziale Systeme und Pathogenese psychischer Störungen angewendet. Zugegeben, keine leichte Lektüre, die zwar laut Klappentext ohne spezielle Vorkenntnisse lesbar ist, aber dennoch aufgrund seiner wissenschaftlichen Form, mit umfangreichen Zitatangaben im Textfluss, sowie zuweilen sehr abstrakten Darstellungen, eine Herausforderung für die Leserin und den Leser darstellt. Manches wird man vielleicht nicht gleich verstehen, sondern ein zweites oder drittes Mal lesen müssen. Aber wer sich die Mühe macht, dieses Buch zu lesen, wird reich belohnt und spätestens dann den Phasenübergang vollzogen haben, nicht mehr glauben zu können, dass sich die Sonne, um noch einmal unsere Analogie zu bemühen, um die Erde dreht.