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Sieben Blicke: Die App für systemische Perspektivwechsel

kostenlose Reframing-Übung mit KI - systemisch gedacht

Sieben Blicke auf einen Blick

  • ⏱ Etwa drei Minuten
  • 👁 Sieben systemische Perspektiven auf ein Verhalten
  • 💶 Kostenlos, ohne Anmeldung
  • 📱 Läuft im Browser, auf dem Handy und am Rechner
  • 🏛 Entwickelt am ABIS Institut Leipzig, Teil des ABIS Campus
  • 🔍 Reflexionswerkzeug, kein Ersatz für Beratung oder Therapie
  • 🔒 Ihre Eingabe wird nicht gespeichert
  • freigegeben für die Nutzung in der Lehre

Probieren Sie es an einer eigenen Situation aus. Kostenlos, ohne Anmeldung, in etwa drei Minuten.

Warum unsere erste Erklärung selten die einzige ist

Mit Sieben Blicke wird ein zentraler Gedanke der systemischen Beratung unmittelbar erlebbar: Jemand antwortet tagelang nicht auf eine Nachricht. Eine Kollegin unterbricht uns zum dritten Mal in einer Besprechung. Oder eine gute Freundin scheint einer anderen Person plötzlich deutlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken als uns.

Solche Situationen kennen vermutlich die meisten Menschen. Noch bevor wir genauer nachfragen können, beginnt unser Gehirn damit, Bedeutung herzustellen. Wir erklären uns das Verhalten des anderen, ziehen Schlussfolgerungen und entwickeln eine Geschichte, die sich oft erstaunlich stimmig anfühlt.

Doch wie sicher können wir eigentlich sein, dass unsere erste Erklärung auch die einzige oder sogar die zutreffende ist?

Mit genau dieser Frage beschäftigt sich systemisches Denken seit vielen Jahren. Es lädt dazu ein, Verhalten nicht vorschnell zu bewerten, sondern zunächst neugierig zu bleiben und verschiedene Möglichkeiten nebeneinander stehen zu lassen. Ich bin Kathrin, Psychologiestudentin und Praktikantin am ABIS Institut Leipzig. Im Systemischen Magazin berichte ich rund um alles, was die Welt der Systemik umfasst und lesenswert macht. Heute widme ich mich unserer spannenden neuen App: Sieben Blicke. Wenn du wissen willst, was die Nutzung so wertvoll macht, dann lies weiter.

So fühlt sich die App Sieben Blicke an

Der Einstieg überrascht. Statt sofort nach Lösungen zu suchen oder neue Deutungen anzubieten, nimmt sich die Anwendung zunächst Zeit für das, was gerade da ist. Das Gefühl wird weder bewertet noch relativiert. Es darf einfach Raum bekommen. Allein das verändert bereits etwas. Aus dem Impuls, möglichst schnell eine Antwort finden zu müssen, wird zunächst die Erfahrung, mit dem eigenen Erleben ernst genommen zu werden.

Erst danach beginnt der eigentliche Prozess. Die erste Lesart erscheint auf dem Bildschirm und lädt dazu ein, sie in Ruhe zu lesen und auf sich wirken zu lassen. Anschließend genügt ein Wischen oder ein Klick – und eine weitere Perspektive öffnet sich. So entfalten sich nach und nach sieben unterschiedliche Lesarten derselben Situation und es fühlt sich wie ein Gespräch an. Die Texte sind bewusst kurzgehalten, sodass jede Perspektive für einen Moment Raum bekommt, bevor die nächste folgt. Manche regen unmittelbar zum Nachdenken an, andere überraschen, irritieren oder bringen ein leises Schmunzeln hervor. Mit jeder neuen Lesart entsteht ein wenig mehr Abstand zur eigenen ersten Erklärung. Ohne dass die Anwendung bewertet oder vorgibt, was richtig ist, wächst nach und nach die Bereitschaft, auch andere Bedeutungen in Betracht zu ziehen.

Bemerkenswert ist dabei die Dramaturgie der Anwendung. Die sieben Lesarten entstehen nicht zufällig, sondern folgen einer bewusst gestalteten systemischen Reihenfolge. Jede von ihnen lädt dazu ein, dieselbe Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten: als mögliche Fähigkeit der anderen Person, als Ausdruck eines Bedürfnisses, als Funktion innerhalb eines Systems oder im Hinblick auf die Wirkung ihres Verhaltens auf andere. Eine humorvolle Lesart lockert den Blick auf, bevor sich die letzten beiden Perspektiven der nutzenden Person selbst zuwenden. Aus der Frage „Was könnte das Verhalten der anderen Person noch bedeuten?“ wird allmählich die ebenso wichtige Frage „Was macht diese Situation eigentlich mit mir – und welche Chance könnte gerade darin für mich liegen?“

Am Ende steht deshalb nicht die eine richtige Erklärung, sondern ein veränderter Blick auf die Situation. Das ursprüngliche Erleben wirkt weniger festgefahren, neue Bedeutungen werden denkbar und zwischen der ersten spontanen Deutung und dem beobachteten Verhalten entsteht Raum für weitere Möglichkeiten. Genau darin liegt die Idee von Sieben Blicke: Nicht die Wahrheit über andere Menschen zu finden, sondern systemische Denkbewegungen anzuregen. Die sieben Lesarten laden dazu ein, gewohnte Erklärungsmuster zu verlassen und zu erleben, wie sich neue Bedeutungen und damit oft auch neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen.

Warum unser Gehirn so schnell urteilt – und warum Perspektivwechsel helfen

Aus psychologischer Sicht ist dieses schnelle Einordnen zunächst einmal sinnvoll. Unser Gehirn versucht ständig, Informationen zu ordnen und Lücken zu schließen. Würden wir jede Alltagssituation vollständig analysieren, wären wir schnell überfordert.

Die Kehrseite dieser hilfreichen Fähigkeit zeigt sich jedoch überall dort, wo wir das Verhalten anderer Menschen erklären. Aus einzelnen Beobachtungen entstehen oft feste Annahmen – obwohl uns wichtige Informationen fehlen.

Gerade im Umgang mit psychischen Belastungen und Diagnosen kann eine vorschnelle Festlegung den Blick auf einen Menschen verengen. Wie psychische Störungen aus unterschiedlichen Perspektiven und in ihrem jeweiligen Kontext verstanden werden können, zeigt unser Beitrag Psychische Störungen systemisch verstehen.

Perspektivwechsel in der systemischen Beratung durch Sieben Blicke

Ein Perspektivwechsel beschreibt in der systemischen Beratung die bewusste Entscheidung, eine Situation nicht nur aus einer einzigen, sondern aus mehreren möglichen Bedeutungen herauszubetrachten.

Systemische Beratung geht deshalb einen anderen Weg. Sie sucht nicht möglichst schnell nach der richtigen Erklärung, sondern erweitert den Blick um weitere denkbare Perspektiven.

Statt vorschnell zu fragen: "Warum macht sie das?"

entstehen beispielsweise andere Fragen:

  • Welche Informationen fehlen mir vielleicht noch?
  • Welche Bedeutung könnte dieses Verhalten aus ihrer Sicht haben?
  • Welche Bedürfnisse oder Beziehungen könnten eine Rolle spielen?
  • Welche andere Geschichte wäre ebenfalls denkbar?

Nicht weil eine davon zwangsläufig stimmt.

Sondern weil jede zusätzliche Perspektive den eigenen Handlungsspielraum erweitert.

Reframing erleben mit Sieben Blicke

Wie sich dieser Perspektivwechsel anfühlt, lässt sich schwer allein durch Theorie beschreiben. Deshalb haben wir unsere neue Reflexionsanwendung Sieben Blicke ausprobiert.

Ausgangspunkt war eine alltägliche Situation:

„Ich bin traurig, weil ich das Gefühl habe, dass meine Freundin einer anderen Freundin deutlich mehr Aufmerksamkeit schenkt als mir.“

Die erste Reaktion war überraschend.

  • Nicht eine Erklärung.
  • Nicht eine Interpretation.
  • Sondern zunächst Raum für das Gefühl.
  • „Das klingt nach einem Gefühl, das wehtut. Dem möchte ich zunächst Raum geben.“

Allein dieser Einstieg verändert bereits etwas. Das Gefühl wird weder bewertet noch relativiert. Es darf zunächst einfach da sein.

Was durch Sieben Blicke eigentlich passiert

Das Erstaunliche war nicht, dass plötzlich eine neue Erklärung richtig erschien.

Es war etwas anderes.

Mit jeder weiteren Perspektive entstand mehr Abstand zur ersten Geschichte. Zwischen meiner Interpretation und dem Verhalten der anderen Person öffnete sich ein Raum, in dem plötzlich vieles gleichzeitig denkbar wurde.

Gleichzeitig richteten sich die letzten beiden Perspektiven nicht mehr auf die andere Person, sondern auf mich selbst. Vielleicht schmerzt mich dieser Vergleich gerade deshalb so sehr, weil mir Nähe besonders wichtig ist. Vielleicht zeigt die Situation etwas über meine eigenen Bedürfnisse.

Der Blick wechselte also von der Frage:

  • "Warum macht sie das?"

hin zu einer zweiten, ebenso wichtigen Frage:

  • "Was berührt das eigentlich in mir?"

An diesem Punkt können auch verinnerlichte Regeln und Glaubenssätze sichtbar werden, die beeinflussen, wie wir Beziehungen und das Verhalten anderer Menschen deuten. Wie starre Familienregeln in beweglichere Leitlinien verwandelt werden können, beschreibt der Fachartikel Arbeit an Glaubenssätzen.

Sieben Blicke zeigt uns: Reframing bedeutet nicht, etwas schönzureden

Genau darin liegt der Kern systemischer Arbeit. Reframing bedeutet nicht, Konflikte kleinzureden oder schwierige Gefühle positiv umzudeuten. Es geht vielmehr darum, den eigenen Deutungsraum zu erweitern.

Reframing bedeutet nicht ...

  • Gefühle wegzuerklären.
  • Verhalten zu entschuldigen.
  • Konflikte aufzulösen.

Reframing bedeutet ...

  • weitere Bedeutungen einzuladen,
  • neugierig zu bleiben,
  • neue Handlungsmöglichkeiten entstehen zu lassen.

Oft verändert sich dadurch nicht sofort die Situation. Aber häufig verändert sich die Art, wie wir ihr begegnen.

Was wir aus diesem Perspektivwechsel mitnehmen können

Vielleicht liegt genau darin die Stärke systemischen Denkens. Unsere erste Erklärung ist selten die einzige. Je mehr mögliche Bedeutungen wir zulassen, desto beweglicher wird unser Blick – auf andere Menschen und auf uns selbst.

In professionellen Beratungsprozessen kann es hilfreich sein, solche Perspektivwechsel bewusst zu strukturieren. Die Systemmatrix und die Dilts’schen Ebenen unterstützen Berater:innen dabei, zwischen der eigenen Sicht, der Perspektive anderer und einer übergeordneten Metaebene zu wechseln und mögliche Ansatzpunkte für Veränderung zu erkennen.

Zum Mitnehmen

  • Verhalten ist nicht gleich Bedeutung.
  • Neugier erweitert Handlungsspielräume.
  • Gefühle dürfen bleiben – auch wenn neue Perspektiven entstehen.
  • Reframing schafft keine Wahrheit, sondern Möglichkeiten.

Perspektiven statt Wahrheiten

Aus dieser systemischen Idee ist  die App Sieben Blicke entstanden. Die App wurde am ABIS Institut Leipzig entwickelt – aus der Frage, wie sich zentrale Prinzipien der systemischen Beratung nicht nur erklären, sondern unmittelbar erleben lassen. Sie möchte keine Beratung ersetzen und liefert keine fertigen Antworten. Vielmehr lädt sie dazu ein, innezuhalten, verschiedene Perspektiven zuzulassen und den Raum zwischen Beobachtung und Bedeutung wieder größer werden zu lassen.

Als Teil des ABIS Campus ergänzt Sieben Blicke unsere Weiterbildungen und macht systemisches Denken auch außerhalb von Beratungsgesprächen und Seminaren erfahrbar. Vielleicht beginnt genau dort der wichtigste Perspektivwechsel:

Nicht mit der Frage, wer recht hat, sondern mit der Bereitschaft anzuerkennen, dass unsere erste Erklärung selten die einzige ist.

Sechs Stimmen zu Sieben Blicke

Gibt im Inneren erstmal Entwarnung.

Max

Beeindruckend wie schnell das Chaos im Kopf und Herz gelenkt werden kann und mehr Ordnung entsteht.

Aline

Erlaubt einem die eigenen Erwartungshaltungen erstmal zu überdenken.

Lisa

Anschließend begann der eigentliche Perspektivwechsel.

Nick

Ist bestimmt ein guter Freund für Zwischendurch.

Miriam

Ich dachte mir: „Stimmt. Das könnte man so auch sehen.

Anke

Wie entstand die App Sieben Blicke?

Seit 1992 vermittelt das ABIS Institut Leipzig systemisches Denken in Weiterbildungen, Beratung und Supervision. Sieben Blicke wurde hier entwickelt. Die Idee entstand aus der Frage, wie sich die Grundhaltung der systemischen Beratung nicht nur erklären, sondern unmittelbar erleben lässt. Die App ergänzt den ABIS Campus und lädt dazu ein, systemisches Denken auch außerhalb von Beratungsgesprächen praktisch auszuprobieren.

geschrieben und veröffentlicht am 10.08.2026